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Der Kontext in der Beschaffung ist entscheidend

Kontext in der Beschaffung, am Beispiel „direkt“ und „indirekt“

In der Beschaffung gibt es Begriffe, die auf den ersten Blick eindeutig wirken. In der Praxis führen sie aber regelmäßig zu Missverständnissen – nicht, weil die Begriffe schlecht wären, sondern weil sie ohne Kontext verwendet werden. Einer der Klassiker ist die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Beschaffung.

Wer diese beiden Begriffe sauber anwenden will, muss sich eine zentrale Frage angewöhnen: Worauf bezieht sich die Aussage gerade – auf den Verwendungszweck oder auf den Beschaffungsweg? Sobald man das auseinanderhält, wird die Einordnung klarer, und viele typische Fehler verschwinden fast von allein.

  • In vielen Unterrichtssituationen hört man Aussagen wie:
    • „Das ist indirekte Beschaffung, weil wir über den Handel bestellen.“
  • Oder:
    • „Das ist direkte Beschaffung, weil wir direkt beim Hersteller kaufen.“

Solche Sätze klingen plausibel, sind aber oft vermischte Logiken. Denn „direkt“ und „indirekt“ können in der Beschaffung zwei verschiedene Dinge meinen:

– Direkt/indirekt nach Verwendungszweck (klassische Beschaffungslehre)
-Direkt/indirekt nach Bezugsweg (Herstellerbezug vs. Zwischenhandel)
Beides ist richtig – aber man muss wissen, welcher Kontext gemeint ist.

Direkte und indirekte Beschaffung – im klassischen Sinn (Verwendungszweck)

Wenn in der Beschaffung von direkter und indirekter Beschaffung gesprochen wird, ist meist der Einsatz im Unternehmen gemeint.

Direkte Beschaffung

  • Güter, die unmittelbar in das Produkt oder die Leistung eingehen
    • Beispiele: Rohstoffe, Bauteile, Fertigungsmaterial, Handelsware (je nach Geschäftsmodell)
  • Indirekte Beschaffung
    • Güter, die nicht Bestandteil des Produkts sind, aber den Betrieb am Laufen halten

Beispiele: Büromaterial, Reinigungsmittel, Wartungsmaterial, Werkzeuge für Instandhaltung.

Der entscheidende Punkt: In diesem Kontext hängt die Einordnung nicht daran, wo oder über wen man kauft, sondern wofür man es im Betrieb nutzt.

Nehmen wir ein bewusst einfaches Beispiel: Schrauben. Schrauben sind ideal, weil derselbe Artikel je nach Situation völlig unterschiedlich einzuordnen ist.

Jetzt kommt häufig die nächste Verwechslung: „Aber wir kaufen die Schrauben doch über den Großhandel – also indirekt!“
Das kann korrekt sein – aber dann wird ein anderer Kontext genutzt: der Bezugsweg.

Direkter Bezugsweg: Einkauf direkt beim Hersteller
Indirekter Bezugsweg: Einkauf über Zwischenstufen
(Großhandel, Händler, Plattform)

Man erkennt sofort: Es sind zwei verschiedene Perspektiven. Wer sie vermischt, landet in widersprüchlichen Aussagen.

Der wichtigste Merksatz für die Praxis

Damit man im Alltag nicht durcheinanderkommt, hilft ein sehr einfacher Merksatz:

  • Direkte/indirekte Beschaffung (klassisch) = Verwendungszweck
    „Geht es ins Produkt oder dient es dem Betrieb?“
  • Direkter/indirekter Bezugsweg = Beschaffungsweg
    „Kaufe ich beim Hersteller oder über Zwischenstufen?“

Wer konsequent fragt „Meint man Verwendungszweck oder Bezugsweg?“, wirkt nicht kleinlich – sondern professionell. Und genau das ist in der Beschaffung entscheidend: klare Begriffe, klare Logik, klare Entscheidungen.